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Auszeichnung Frau Renate Zürn mit der Medaille für besondere Verdienste um die bayerische Justiz
- Kamintüren und Kachelöfen aus dem Knast -

Pressebericht aus der Donauwörther Zeitung vom 2. September 2006
(Wiedergabe mit freundlicher Genehmigung der Donauwörther Zeitung)


 

Einmalig in Bayern: Firma Zürn unterhält seit 44 Jahren eine Produktionsstätte in der JVA Niederschönenfeld

 

Es begann im Jahr 1962 mit gusseisernen Kamintüren. Mittlerweise umfasst die Produktpalette der Firma Ernst Zürn GmbH & Co. KG in Niederschönenfeld rund 1000 Metall-Artikel. Das allein ist es aber nicht, was das Unternehmen einzigartig in Bayern macht. Vielmehr ist es die Tatsache, dass der Betrieb mit Zentrale in München seit 44 Jahren eine Produktionsstätte in der Justizvollzugsanstalt in Nordschwaben unterhält. Ministerin Beate Merk hat deshalb kürzlich Firmenchefin Renate Zürn mit der Medaille für besondere Verdienste um die bayerische Justiz ausgezeichnet.

 

Staatsministerin der Justiz Dr. Beate Merk (li.) überreicht Frau Renate Zürn (re.) die Medaille für besondere Verdienste um die bayerische Justiz

 

Nun bedankten sich auch die Verantwortlichen der JVA in Niederschönenfeld bei der Geschäftsfrau für deren Engagement. Direktor Peter Landauer knüpfte dabei an die Laudatio der Ministerin an. Das Unternehmen beschäftige regelmäßig 25 Gefangene und leiste damit einen aktiven Beitrag zur Resozialisierung der jungen Männer. Landauer lobte, dass Zürn über die Jahrzehnte hinweg dem Standort Niederschönenfeld die Treue gehalten habe. Damit hätten Fertigungen in der Region gehalten werden können, die ansonsten oftmals ins Ausland verloren gingen.

 

Mit einem Blumenstrauß Dank für die langjährige Treue gesagt (von links): Karl Rehm (JVA Niederschönenfeld), Gefängnis-Direktor Peter Landauer, Firmenchefin Renate Zürn und Zürn-Geschäftsführer Antonio Böckmann in der Kantine der Haftanstalt.

 

Besondere Beziehungen

 

Die Besonderheit der Beziehungen zwischen JVA und Firma stellte auch Karl Rehm, Leiter des Arbeitswesens in der Anstalt, heraus. Im Freistaat gebe es nur eine einzige weitere Kooperation dieser Art - und zwar in Straubing. In Niederschönenfeld stellt die JVA die Gebäude sowie die Gefangenen und organisiert mit Betriebsleiter Erwin Feda an der Spitze den Arbeitsablauf. Die Zürn GmbH & Co. KG beschäftigt in Niederschönenfeld derzeit vier eigene Leute, darunter Fertigungsleiter Andreas Pohle, und stattet den Betrieb mit den entsprechenden technischen Anlagen aus. "Wir haben hier nicht nur Lohnarbeiten wie in anderen Vollzugsanstalten, sondern eine Firma, die gewachsen ist und sich dem Markt angepasst hat", betonte Zürn-Geschäftsführer Antonio Böckmann.

 

In der Struktur des Standorts Niederschönenfeld habe sich einiges geändert. Seien dort früher nur "einfache Tätigkeiten" verrichtet worden, so produziere man heute auf anspruchsvollere Weise qualitativ hochwertige Metallwaren. Der Betrieb ist in zwei Bereiche aufgeteilt: Guss-Komponenten und Edelstahl-Elemente. Der Schwerpunkt liege in Befestigungstechniken für die Rohrleitungsindustrie - hier werden beispielsweise Muffen hergestellt, welche die Rohre bei Druckleitungen sicher zusammenhalten - und in Zubehörteilen für den Schornsteinbau.

 

Im Gründerjahr seien in Niederschönenfeld 165000 gusseiserne Kamintüren gefertigt worden, berichtete Renate Zürn. In der Folgezeit habe man bis zu 6000 Artikel produziert. An einige "Klassiker" im Sortiment erinnerte Kurt Rüdzel, der von 1962 bis 1999 als Betriebsleiter wirkte. So stammten schmiedeeiserne Leuchter, die in den 70er Jahren in Massen über ein großes Versandhaus unter die Leute gebracht wurden, ebenso aus der Niederschönenfelder Werkstätte, wie Garderobenständer, Fenstergitter, Blumenständer, Kachelöfen und vieles andere.

 

Heute würden die Produkte international vertrieben, erklärte Antonio Böckmann. Zudem versuche das Unternehmen in neuen Bereichen Fuß zu fassen, wie zum Beispiel in der Solartechnik. In der Edelstahlprodukte-Sparte plant die Zürn GmbH & Co. KG bald einen Zwei-Schicht-Betrieb einzuführen. "So können wir Spitzen besser abfangen und unser Volumen erweitern", teilte Böckmann mit. Das Personal werde entsprechend aufgestockt.

 

"Niederschönenfeld ist mir sehr ans Herz gewachsen", bekräftigte Renate Zürn den Willen der Firma, an dem Standort langfristig festzuhalten. Dass dort hauptsächlich Gefangene tätig sind, störe die Abnehmer der Ware keineswegs. "Wir hören nur positive Dinge", so Geschäftsführer Böckmann, gerade wenn die Kundschaft höre, welche Chance sich den Häftlingen dadurch eröffne. Die Firma helfe letztlich, "den Sinn von Arbeit zu vermitteln", sagte JVA-Direktor Landauer. Es sei wichtig, die Gefangenen an eine kontinuierliche Tätigkeit heranzuführen, wie sie auch in Freiheit zu erwarten sei. Sehe ein junger Mann dadurch nach der Entlassung davon ab, sich auf illegale Weise seinen Unterhalt zu verdienen, "dann ist das auch ein Sicherheitsgewinn für die Gesellschaft".

© 2009 - 2017 - Die Arbeitsbetriebe der bayerischen Justizvollzugsanstalten - www.jva.de